Montblanc im Visier

Am Gipfel der Genüsse.

Gourmet-Reise von Andreas Döllerer im Jänner 2016

Als ich meinen Freunden von der Idee erzählte, in die französischen und die Schweizer Alpen zu fahren um dort zu essen, war die Reaktion eher zurückhaltend. Der Grund dafür liegt auf der Hand - die Restaurants dort sind in Österreich schlichtweg nicht so bekannt wie die großen Häuser in Paris oder an der Côte d‘Azur. Mich hingegen interessierten sie sehr, nicht zuletzt, weil ich mir in deren Lage natürlich auch einige alpine Produkte und Einflüsse in deren Küchen erwartete.

Also starten wir an einem nassen Sonntagmorgen über Frankfurt nach Genf, um uns selbst ein Bild zu machen. Zwei Stunden Autofahrt, dann haben wir Megève erreicht, einen der mondänsten Skiorte der Alpen. Das Hotel „Les Loges Blanches“ ist ein sympathisches Haus, aus mehreren Chalets bestehend und gutgelegen. Dennoch geben wir nur schnell unsere Koffer ab, denn der erste Höhepunkt steht unmittelbar bevor: ein Mittagessen bei Emmanuel Renaut im „Flocons de sel“, immerhin mit drei Sternen im Guide Michelin bedacht. Die – überraschenderweise – Deutsch sprechende Gastgeberin begrüßt uns herzlich, und wir wählen natürlich das größte Menü. Über zehn Gänge hinweg – Emmanuel hat für uns noch eine wunderbare Pastete mit Wildhase, Gänseleber und Reh sowie einen kleinen „Hasenpfeffer“ eingeschoben – erleben wir eine eigentlich klassisch ausgerichtete französische Küche, die aber durchaus auch Mut zur Einfachheit, etwa bei der geschmorten Kardone mit Trüffelvinaigrette, beweist und der Moderne offen gegenüber steht.

Eine für französische Verhältnisse derart fair kalkulierte Weinkarte hatte ich nicht erwartet und so muss natürlich auch die eine oder andere Flasche daran glauben. Hier können wir Richie Rauch sogar den Wunsch nach dem ersten Yquem seines Lebens erfüllen – die 0,75 l Yquem 1996 für € 200,00 ist ein echtes „Schnäppchen“.

Flocons-de-Sel_285x250„Flocons de sel“: 3 Sterne im Guide Michelin

Gastegeberin-Flocons-de-Sel_285x250 Gastgeberin Emmanuel Renaut

Kardone_285x250Geschmorten Kardone mit Trüffelvinaigrette

Unser ausgedehntes Mittagessen endet gegen 17.30 Uhr im Keller des Hauses, in dem sich überraschenderweise eine Boccia-Bahn befindet, mit einer ebensolchen Partie samt Armagnac und Kaffee.

Wieder zurück in Megève wollen wir noch wissen, wie‘s denn die Franzosen mit dem Après-Ski halten und lernen, dass es dort statt Willi mit Birne Gillardeau-Austern und Champagner gibt. In der sehr gemütlichen und gut sortierten Weinbar „Comme Chez Soi“ lassen wir den Abend ausklingen und sind früh im Bett.


Am nächsten Tag stehen wieder 90 Minuten im Auto auf dem Programm. Das Ziel: Saint-Martin-de-Belleville. Dieser kleine Skiort liegt, von Albertville aus noch rund 30 Kilometer in die Berge, mitten im Skigebiet „Les Trois Vallées“, immerhin das größte der Welt.

Kulinarisch interessierte Menschen reisen nur aus einem Grund in dieses Nest – „La Bouitte“ heißt das Objekt der Begierde, das Restaurant der Familie Meilleur, das gerade erst letztes Jahr mit dem begehrten dritten Macaron von Michelin geadelt wurde. Wir entscheiden uns, direkt im Haus zu übernachten und finden unglaublich geschmackvolle, wunderbare Suiten vor – richtig zum Wohlfühlen.

Das Abendessen im Restaurant zeigt sich dann ebenfalls wie eine Reise durch die Berge von Savoyen, manchmal etwas schroff, mit Ecken und Kanten, aber immer von einer klaren Idee getragen. Eine Küchenstilistik, die sich den alpinen Produkten ebenso widmet wie den klassischen Luxusprodukten, und die mit dem Element Säure spielt wie Jimmy Hendrix auf seiner Gitarre. Maxime und René Meilleur, Vater und Sohn, kochen gemeinsam und bitten mich in die Küche, um mich ein wenig hinter die Kulissen blicken zu lassen.

Meilleur-Vater-und-Sohn_440x380Andreas mit René und Maxime Meilleur, Sohn und Vater, in der Küche des Restaurants „La Bouitte“

Meilleur-Essen_285x250Das Abendessen im Restaurant „La Bouitte“:
von einer klaren Idee getragen

Meilleur-Karte_285x250Marie-Louise Meilleurs Rezept für „smoked tea with citrus“

Meilleur-Suit_285x250Geschmackvolle, wunderbare Suiten im „La Bouitte“ in Saint-Martin-de-Belleville

Nach einem wunderbaren Frühstück geht es am nächsten Tag wieder retour in die Schweiz nach Lausanne, wo wir, im „Chateau D’Ouchy“ sehr gut untergebracht, kurzerhand beschließen, noch einen kleinen Lunch einzuschieben.

Anne Sophie Pic führt seit einigen Jahren neben Ihrem Stammhaus in Valence auch noch ein Restaurant im imposanten Hotel „Beau Rivage“, direkt am Ufer des Sees. Ein wirklich sensationelles Mittagsmenü stimmt uns hier blendend auf den letzten Höhepunkt unserer Reise ein – einen Abend bei Benoît Violier im „Hotel de Ville“ in Crissier. Ich hatte im Jahr 2000 schon einmal bei Benoîts großem Vorgänger, Philipp Rochat, gegessen und bin sehr gespannt, was sich hier verändert hatte.

Was wir an diesem Abend genießen, ist mit einem Wort zu beschreiben: Weltklasse. Weit weg von jeglicher regionalen Ausrichtung, hatte ich eher das Gefühl in einem großen Restaurant in Paris zu sitzen als am Ufer des Genfer Sees. Die Höhepunkte waren für mich auch hier wieder die Kardone, eine unfassbar deliziöse Langustine und eine klassisch am Tisch tranchierte Ente - ein Gericht noch aus den Zeiten des legendären Frédy Girardet, der den Ruf dieses Hauses einst begründete. Ein echtes Highlight zum Abschluss einer Reise, die ich noch sehr lange in Erinnerung behalten werde.

Ein Tipp zum Abschluss:

Vor dem Abflug in Genf besuchen wir noch ein tolles Bistrot – „Bistrot du Boeuf Rouge“ – klassisches, geschmackvolles Essen und eine Weinkarte, auf der man noch echte Raritäten findet...


Post Scriptum: Es hat uns tief getroffen, zu erfahren, dass Benoît Violier mit 44 Jahren, am 31. Jänner 2016, aus dem Leben geschieden ist. Nur einen Monat, nachdem er zum „Besten Koch der Welt“ ernannt wurde. Das ist erschütternd und gibt uns wohl allen zu denken. Und macht die Momente, die wir mit ihm erst vor so kurzer Zeit verbringen durften, umso kostbarer. Er wird uns im Gedächtnis bleiben.

Am Gipfel der Genüsse. Gourmet-Reise von Andreas Döllerer im Jänner 2016 Als ich meinen Freunden von der Idee erzählte, in die französischen und die Schweizer Alpen zu fahren um dort zu... mehr erfahren »
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Montblanc im Visier

Am Gipfel der Genüsse.

Gourmet-Reise von Andreas Döllerer im Jänner 2016

Als ich meinen Freunden von der Idee erzählte, in die französischen und die Schweizer Alpen zu fahren um dort zu essen, war die Reaktion eher zurückhaltend. Der Grund dafür liegt auf der Hand - die Restaurants dort sind in Österreich schlichtweg nicht so bekannt wie die großen Häuser in Paris oder an der Côte d‘Azur. Mich hingegen interessierten sie sehr, nicht zuletzt, weil ich mir in deren Lage natürlich auch einige alpine Produkte und Einflüsse in deren Küchen erwartete.

Also starten wir an einem nassen Sonntagmorgen über Frankfurt nach Genf, um uns selbst ein Bild zu machen. Zwei Stunden Autofahrt, dann haben wir Megève erreicht, einen der mondänsten Skiorte der Alpen. Das Hotel „Les Loges Blanches“ ist ein sympathisches Haus, aus mehreren Chalets bestehend und gutgelegen. Dennoch geben wir nur schnell unsere Koffer ab, denn der erste Höhepunkt steht unmittelbar bevor: ein Mittagessen bei Emmanuel Renaut im „Flocons de sel“, immerhin mit drei Sternen im Guide Michelin bedacht. Die – überraschenderweise – Deutsch sprechende Gastgeberin begrüßt uns herzlich, und wir wählen natürlich das größte Menü. Über zehn Gänge hinweg – Emmanuel hat für uns noch eine wunderbare Pastete mit Wildhase, Gänseleber und Reh sowie einen kleinen „Hasenpfeffer“ eingeschoben – erleben wir eine eigentlich klassisch ausgerichtete französische Küche, die aber durchaus auch Mut zur Einfachheit, etwa bei der geschmorten Kardone mit Trüffelvinaigrette, beweist und der Moderne offen gegenüber steht.

Eine für französische Verhältnisse derart fair kalkulierte Weinkarte hatte ich nicht erwartet und so muss natürlich auch die eine oder andere Flasche daran glauben. Hier können wir Richie Rauch sogar den Wunsch nach dem ersten Yquem seines Lebens erfüllen – die 0,75 l Yquem 1996 für € 200,00 ist ein echtes „Schnäppchen“.

Flocons-de-Sel_285x250„Flocons de sel“: 3 Sterne im Guide Michelin

Gastegeberin-Flocons-de-Sel_285x250 Gastgeberin Emmanuel Renaut

Kardone_285x250Geschmorten Kardone mit Trüffelvinaigrette

Unser ausgedehntes Mittagessen endet gegen 17.30 Uhr im Keller des Hauses, in dem sich überraschenderweise eine Boccia-Bahn befindet, mit einer ebensolchen Partie samt Armagnac und Kaffee.

Wieder zurück in Megève wollen wir noch wissen, wie‘s denn die Franzosen mit dem Après-Ski halten und lernen, dass es dort statt Willi mit Birne Gillardeau-Austern und Champagner gibt. In der sehr gemütlichen und gut sortierten Weinbar „Comme Chez Soi“ lassen wir den Abend ausklingen und sind früh im Bett.


Am nächsten Tag stehen wieder 90 Minuten im Auto auf dem Programm. Das Ziel: Saint-Martin-de-Belleville. Dieser kleine Skiort liegt, von Albertville aus noch rund 30 Kilometer in die Berge, mitten im Skigebiet „Les Trois Vallées“, immerhin das größte der Welt.

Kulinarisch interessierte Menschen reisen nur aus einem Grund in dieses Nest – „La Bouitte“ heißt das Objekt der Begierde, das Restaurant der Familie Meilleur, das gerade erst letztes Jahr mit dem begehrten dritten Macaron von Michelin geadelt wurde. Wir entscheiden uns, direkt im Haus zu übernachten und finden unglaublich geschmackvolle, wunderbare Suiten vor – richtig zum Wohlfühlen.

Das Abendessen im Restaurant zeigt sich dann ebenfalls wie eine Reise durch die Berge von Savoyen, manchmal etwas schroff, mit Ecken und Kanten, aber immer von einer klaren Idee getragen. Eine Küchenstilistik, die sich den alpinen Produkten ebenso widmet wie den klassischen Luxusprodukten, und die mit dem Element Säure spielt wie Jimmy Hendrix auf seiner Gitarre. Maxime und René Meilleur, Vater und Sohn, kochen gemeinsam und bitten mich in die Küche, um mich ein wenig hinter die Kulissen blicken zu lassen.

Meilleur-Vater-und-Sohn_440x380Andreas mit René und Maxime Meilleur, Sohn und Vater, in der Küche des Restaurants „La Bouitte“

Meilleur-Essen_285x250Das Abendessen im Restaurant „La Bouitte“:
von einer klaren Idee getragen

Meilleur-Karte_285x250Marie-Louise Meilleurs Rezept für „smoked tea with citrus“

Meilleur-Suit_285x250Geschmackvolle, wunderbare Suiten im „La Bouitte“ in Saint-Martin-de-Belleville

Nach einem wunderbaren Frühstück geht es am nächsten Tag wieder retour in die Schweiz nach Lausanne, wo wir, im „Chateau D’Ouchy“ sehr gut untergebracht, kurzerhand beschließen, noch einen kleinen Lunch einzuschieben.

Anne Sophie Pic führt seit einigen Jahren neben Ihrem Stammhaus in Valence auch noch ein Restaurant im imposanten Hotel „Beau Rivage“, direkt am Ufer des Sees. Ein wirklich sensationelles Mittagsmenü stimmt uns hier blendend auf den letzten Höhepunkt unserer Reise ein – einen Abend bei Benoît Violier im „Hotel de Ville“ in Crissier. Ich hatte im Jahr 2000 schon einmal bei Benoîts großem Vorgänger, Philipp Rochat, gegessen und bin sehr gespannt, was sich hier verändert hatte.

Was wir an diesem Abend genießen, ist mit einem Wort zu beschreiben: Weltklasse. Weit weg von jeglicher regionalen Ausrichtung, hatte ich eher das Gefühl in einem großen Restaurant in Paris zu sitzen als am Ufer des Genfer Sees. Die Höhepunkte waren für mich auch hier wieder die Kardone, eine unfassbar deliziöse Langustine und eine klassisch am Tisch tranchierte Ente - ein Gericht noch aus den Zeiten des legendären Frédy Girardet, der den Ruf dieses Hauses einst begründete. Ein echtes Highlight zum Abschluss einer Reise, die ich noch sehr lange in Erinnerung behalten werde.

Ein Tipp zum Abschluss:

Vor dem Abflug in Genf besuchen wir noch ein tolles Bistrot – „Bistrot du Boeuf Rouge“ – klassisches, geschmackvolles Essen und eine Weinkarte, auf der man noch echte Raritäten findet...


Post Scriptum: Es hat uns tief getroffen, zu erfahren, dass Benoît Violier mit 44 Jahren, am 31. Jänner 2016, aus dem Leben geschieden ist. Nur einen Monat, nachdem er zum „Besten Koch der Welt“ ernannt wurde. Das ist erschütternd und gibt uns wohl allen zu denken. Und macht die Momente, die wir mit ihm erst vor so kurzer Zeit verbringen durften, umso kostbarer. Er wird uns im Gedächtnis bleiben.

ZUM WOHLE!
Ich bin Monsieur Flapeau, Flapeau wie FLAschenPOst, Spitzname „Meister Flapo“. Stets gut gelaunt habe ich als Online-Kellermeister von Döllerer’s Weinhandelshaus sozusagen unser ganzes Sortiment abrufbereit im Kopf und helfe Ihnen jederzeit gerne weiter. Denn bei mehr als 5.000 Artikeln rund um das Thema Wein fällt die Auswahl schon mal schwer. Einfach nur Weintyp, Weinstil und Zweck/Anlass auswählen und Ihre individuelle Weinempfehlung ist nur mehr einen Klick entfernt.